Mikrobiologie

Nährboden für exakte Befunde

Sämtliche Bereiche der Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie werden in der Abteilung für Infektiologische Diagnostik und Beratung des MVZ Dr. Stein + Kollegen abdeckt.
Über 2000 Parameter der Bakteriologie, Virologie, Mykologie und Parasitologie sind direkt verfügbar. Insgesamt werden jährlich ungefähr 600.000 Patientenmaterialien einem bakteriologischen, mykologischen oder parasitologischen direkten Erregernachweis, 640.000 Untersuchungsmaterialien einer infektionsserologischen und 90.000 Patientenproben einer molekularbiologischen Untersuchung unterworfen.

Spezielle Erregerdiagnostik

Tuberkulose / Mykobakteriosen

Eine Kombination verschiedener klassischer Methoden ist notwendig:

Anamnese, Bildgebung, Materialgewinnung, ggf. invasive Verfahren, Mikroskopie, Kultur, Nukleinsäureamplification (NAT), ggf. immunologische Verfahren (z. B. Quantiferon-Test)

Bei noch nicht gesicherter Diagnose und einfacher Probengewinnung sind mindestens 3 Proben an 3 verschiedenen Tagen für Mikroskopie, Kultur und NAT zu entnehmen. In diagnostisch besonders schwierigen Fällen kann eine größere Anzahl von Proben angezeigt sein.

Dr. med. Maria Luise Wimmer-Dahmen Fachärztin für Laboratoriumsmedizin, Krankenhaushygiene, Antibiotic-Stewardship Expertin mwimmer@labor-stein.de

Urine

  • Urine sind die am häufigsten kontaminierten, mikrobiologischen Untersuchungsmaterialien. Daher unbedingt auf vorherige adäquate Reinigung des Genitals achten
  • erster Morgenurin am ergiebigsten oder 3h nach der letzten Miktion
  • im Nativurin-Probenröhrchen vorgelegtes Borat (sogenannte Borsäure-Monovette (grüne Kappe) verhindert die Vermehrung der Bakterien während des Transportes, erhält aber ihre volle Vitalität.
    Wichtig: Röhrchen mit Urin bis zur Markierung auffüllen!
  • Dauerkatheter-Urin: keine Routine-Kultur vom DK bei Patienten ohne klinische Symptomatik, da jeder DK nach 2-3 Tagen mit Keimen kolonisiert ist.
    Bei V. a. Harnwegsinfekt DK-Wechsel und diesen Harn einsenden.

HNO

Proben aus den Atemwegen

ArtProbenmaterialProbenentnahme
oberflächliche respiratorische MaterialienNasenabstrichNasenabstriche sind für die Diagnostik einer Sinusitis nur bedingt geeignet
> Kieferhöhlenpunktat oder Spülflüssigkeit besser
Bei V. a. Pertussis Nasopharyngealsekret, Trachelsekret oder Sputum in einem sterilen Röhrchen ohne Transportmedium einsenden; der Nachweis erfolgt molekularbiologisch (PCR).
RachenabstrichMit Abstrichtupfer unter Drehung kräftig an der Rachenwand entlang streichen
Rachenabstriche bei Pat. mit Epiglottitis kontraindiziert!
Bei V. a. Angina-Plaut-Vincent, Bordetella pertussis, Corynebacterium diphtheriae, Leptospiren, Mykobakterien, Nocardien etc. bitte Rücksprache halten!
oberflächliche respiratorische MaterialienSputumPatient soll den Mund mit Srudelwasser mehrfach ausspülen, dann 10mal hintereinander tief ein- und ausatmen, Sekret abhusten und ins beschriftete Gefäß spucken - kein Speichel einsenden!
Ohr- und Augenaubstrichemöglichst viel Material auf Tupfer aufbringen
tiefe respiratorische SekreteTracheal-/ Bronchialsekretmöglichst unmittelbar nach Wechsel des Trachealtubus Absaugkatheter so tief wie möglich einführen und Sekret absaugen; am besten mehrere Sekrete verschiedener Lokalisdation gewinnen - keine Absaugkatheterspitzen einsenden!
Bronchiallavage-flüssigkeitSekrete im Mund-Nasen- und Rachenraum vor der Bronchoskopie absaugen; Spitze des Bronchoskops einführen und abdichten; bis zu 150ml steriles NaCl (isotonisch) einspritzen und nach kurzer Einwirkung absaugen; Lavage in Gefäßen auffangen.
Gewinnung in fest verschließbaren, großvolumigen Transportgefäßen bzw. "Falle" (Menge ca. 3-5ml)

Urogenital

MaterialProzedereMenge
Urin
  • vorzugsweise Morgenurin nach Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr am Vorabend
  • kein Mittelstrahlurin, kein Sammelurin, nicht aus Urinauffangbeuteln (Ausnahme Säuglinge, Kleinkinder)
  • Entnahme unter Vermeidung mikrobieller Verunreinigung
mind. 30ml
Sperma, Prostatasekret
  • in sterilem Gefäß auffangen, ohne Zusatz versenden
1-2g
Menstrualblut
  • gynäkologisch gewinnen und zu gleichen Teilen mit sterilem Wasser versetzen
1-2g
  • Abstrichtupfer nur mit veränderten Bereichen bzw. Sekreten in Kontakt bringen (CAVE: kontaminierte Standortflora)
  • zur Untersuchung auf Chlamydia trachomatis und Gonokokken oder Ureaplasma urealyticum oder Mycoplasma hominis separates Entnahmebesteck (Gonokokken finden sich eher im Sekret; Chlamydien in den Zellen der Endozervix)
  • folgende klinische Informationen (Risikopatient) auf Anforderungsschein vermerken:
    Schwangerschaftswoche, vorzeitiger Blasensprung, vorzeitige Wehen

Operative Materialien

Material
Prozedere
KnochenmarkKnochenmarkbiopsate und -aspirate sind wie Blut zu behandeln
Abstrichtupfer/ Wundmaterial
  • Abstrichtupfer sind im Regelfall nicht geeignet,
    Alternativen wie Punktionen, Biopsien etc. sind überlegen und vorzuziehen
  • falls kein Eiter eingeschickt werden kann, so viel Material wie möglich mit dem Tupfer aufnehmen,
    für die allgemeine Bakteriologie weiteren Anbstrich entnehmen
Gewebe, Biopsien
  • so viel Material wie möglich gewinnen,
    Probe mit Zusatz von steriler, physiologischer NaCl vor Austrocknung schützen. (ohne Formalin)
  • Gewebeprobe immer auch histologisch untersuchen
Körperflüssigkeiten (Punktionen, Aspirate, Exsudate)Liquor, nativ - nicht in BK-Flaschen