Unser Labor

„Vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gesetzt.“ Diesen Satz prägte der Schweizer Leukämieforscher Otto Naegeli, und noch heute ist dieser jedem Medizinstudenten geläufig. Um die richtige Diagnose stellen zu können, bedarf es zweier Attribute: erstens der Kenntnis über die ursächlichen Zusammenhänge und Zeichen einer Krankheit und zweitens der präzisen Beobachtung des Patienten.

Für die Diagnosefindung hat die Laboratoriumsmedizin bereits heute in vielen Bereichen der Medizin – neben den bildgebenden Verfahren – eine zentrale, wenn nicht überragende Bedeutung, deren Erkenntnispotenzial auch in der „Medizin von morgen“ ihresgleichen sucht. Bereits heute basieren zwei Drittel der Diagnosen in der Inneren Medizin auf labordiagnostischen Untersuchungen. Neue Tumormarker und die „micro-RNA“ beispielsweise revolutionieren weltweit die Krebsmedizin, und zeigen eindrucksvoll, wie labormedizinische Erkenntnisse in therapeutische Nutzanwendungen übersetzt werden können.

Der Zeitgeist der „Evidenz-basierten“ Medizin von heute bringt es mit sich, daß viele, wenn nicht die Mehrzahl der Ärzte und Patienten sich vornehmlich auf messbare (also objektivierbare) Befunde verläßt, während die „Befindlichkeit“ des Patienten - hinsichtlich mentaler und psychosozialer Faktoren – allzu leicht in den Hintergrund rückt. Die Labormedizin mag diesen Ansatz verstärken, ohne daß dies beabsichtigt wäre. Umso mehr gilt es, bei jeder individuellen Untersuchung die Grenzen und die Sicherheit der Methode einerseits und die individuelle Laborkonstellation des Patienten zu erkennen und zu bewerten. Hieraus leitet sich die ärztliche Verantwortung des Labormediziners gegenüber jedem einzelnen Kranken ab, weil in die Beurteilung eines Untersuchungsergebnisses unmittelbar auch die Qualität des Untersuchers selbst mit einfließt, also seine Expertise und Erfahrung, und dies erst macht letztlich die Güte des Untersuchungsergebnisses aus.

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