Der (Kinder-) Madenwurm
Häufigkeit:
Die Madenwurminfektion (Enterobiasis, Oxyuriasis) gehört zu den häufigsten Parasitosen des Menschen. Auch in Deutschland ist diese Wurmerkrankung prävalent.
Betroffen sind vor allem Kinder und Menschen in Gruppen und Heimen.
Epidemiologie:
Die Infektion erfolgt durch orale Aufnahme von larvenartigen und damit infektiösen Eiern.
Übertragungsmöglichkeiten sind kontaminierte Kleidung, Bettwäsche, Anfassen gemeinschaftlich genutzter Toiletten, Händeschütteln, verunreinigte Lebensmittel (Salate, Obst, ungekochtes Gemüse) sowie die orale Aufnahme von kontaminiertem Hausstaub, z. B. beim Bettenausschütteln oder bei Reinigungsmaßnahmen.
Eine wiederholte Selbstinfektion ist möglich, wenn durch Analkontakt erneut Eier oral in den Darm gelangen. Auch eine retrograde Infektion scheint möglich, bei der die geschlüpften Larven aus der Perianalgegend zurück in den Darm wandern.
Diagnostik:
Der Nachweis von Eiern im Stuhl gelingt nur selten (die Sensitivität liegt bei 5 - 10 %).
Gelegentlich finden sich tote Männchen darin. Lebende Weibchen können mit dem Stuhl abgehen. Makroskopisch sehen die Würmer wie kleine weiße Fäden aus, die sich schlängelnd bewegen.
Der Nachweis von larvenartigen Eiern gelingt bei Mikroskopie durchsichtiger Klebestreifen, die zuvor auf die Hautbereiche um den Anus geklebt wurden. Wichtig ist dabei darauf zu achten, dass die Analregion vorher nicht gereinigt wurde und dass kein Stuhlgang erfolgte. Dieses Klebestreifen-Abklatschpräparat wird anschließend auf einen Objektträger aufgedrückt (aufgeklebt) und das Präparat mikroskopisch untersucht.
Zur Erhöhung der Sensitivität sollten mindestens drei Klebestreifen-Abklatschpräparate von drei aufeinander folgenden Tagen untersucht werden, denn die Eiabgabe erfolgt nicht kontinuierlich.
Behandlung:
Es ist zu beachten, dass alle Mitglieder der Familie/Gruppe/Gemeinschaft, in der die Infektion aufgetreten ist, untersucht und gegebenenfalls mitbehandelt werden.
Therapiekontrollen sind ebenfalls bei allen Personen durchzuführen.
Medikamente:
Als Einmaldosis kann 100 mg Mebendazol bei nachgewiesener Infektion verabreicht werden. Ebenso ist die Gabe von 200 - 400 mg Albendazol oder anderer Anthelminthika wie Pyrvinium oder Pyrantel möglich. Bei Kindern unter 2 Jahren sollte jedoch kein Mebendazol gegeben werden. Die Applikation von Albendazol sollte in einer Dosierung von 15 mg/kg KG erfolgen.
Eine Therapiewiederholung wird nach 2 - 3 Wochen sowie erneut nach 8 Wochen empfohlen. In hartnäckigen Fällen müssen Gemeinschaftsbehandlungen mehrfach wiederholt werden.
Während der Schwangerschaft sollte auf die medikamentöse Therapie verzichtet werden, in dringenden Indikationsfällen wird zur Therapie die Gabe von 10 mg/kg KG Pyrantel angegeben.
Wenn etwa 35 Tage nach Behandlungsbeginn keine Eier mehr nachgewiesen werden, war die Therapie erfolgreich.
Hygiene:
Strikte Hygiene ist notwendig, um Neuinfektionen durch die orale Aufnahme weiterer Enterobius-Eier zu verhindern. Zur Vermeidung einer Reinfektion sowie generell zur Infektionsprävention gehören neben der intensiven Körperhygiene (regelmäßiges Händewaschen, Kurzschneiden der Fingernägel, Waschen der Analregion nach jedem Stuhlgang), auch das häufige Wechseln der Unterwäsche und des Bettzeugs (Kochwäsche!), Reinigen der Toilette (thermische Behandlung) sowie häufiges aber vorsichtiges Staubsaugen und Bodenreinigen.
Um die orale Aufnahme von Wurmeiern zu verhindern, sollte beim Umgang mit kontaminierter Wäsche, in der oft mehrere tausend Eier nachgewiesen werden können, ein Mundschutz getragen werden. Diese Hygienemaßnahmen gelten auch zur Prophylaxe. Sollten diese Maßnahmen versagen, ist eine Umgebungsuntersuchung (Schule, Kindergarten, Freunde usw.) anzustreben, um die (Re-) Infektionsquelle ausfindig zu machen.
