CDT
Carbohydrate Deficient Transferrin (CDT)
Neue Bestimmungsmethode:
Vollautomatisierte Kapillarelektrophorese auf Capillarys 2, Sebia GmbH (Issy-Ies-Moulinaux/Paris, Frankreich)
Kapillarelektrophorese: Die einzelnen Fraktionen sowie mögliche Varianten werden erkannt, Trisialotransferrin spielt keine Rolle. Die Methode ist vollautomatisiert und erfordert keine Probenvorbehandlung. Das gerät erkennt die einzelnen Isoformen sowie störende Varianten.
Hintergrund:
Verbesserung der analytischen Qualität
Bisherige Bestimmungsmethode:
TIA: Immunologische Messung des Transferrins nach Ionentausch-Chromatographie. Wegen des variablen Anteils an Trisialotransferrin im Eluat führte die Methode zu einem gewissen Anteil an falsch positiven Ergebnissen.
Achtung! Neue Referenzwerte!
< 1,3 % Anteil CDT am Total-Transferrin = negativ
1,3 % bis 1,6 % Anteil am Total-Transferrin = Grauzone. Wir empfehlen eine Wiederholung der Analyse nach einem Monat.
> 1,6 % Anteil CDT am Total-Transferrin = positiv
Probenmaterial:
Serum. Hämolyse stört.
Haltbarkeit:
Vollblut bei Raumtemperatur, 3 Tage
Serum bei Raumtemperatur oder im Kühlschrank, 7 Tage
Serum gefroren, mehrere Jahre
Wissenschaftlicher Hintergrund:
CDT Definition:
Zum "Carbohydrate Deficient Transferrin" (CDT) gehören die A-, Mono- und Disialo-Transferrine. Ihr Anteil am Gesamt-Transferrin macht normalerweise höchstens 1,3 % aus.
Varianten:
Insgesamt sind 38 durch genetische Polymorphismen bedingte Varianten des Transferrins bekannt. Lediglich vier dieser Varianten haben eine Häufigkeit von über einem Prozent; die anderen sind bedeutungslos. Keine der Varianten hat einen Einfluss auf die physiologischen Eigenschaften des Transferrins.
Einfluss des Alkoholkonsums:
Der Konsum von mindestens 60 Gramm Alkohol pro Tag während wenigstens einer Woche führt zu einer Reduktion der Sialinsäurereste an den Seiten des Transferrins. Dies bewirkt eine Zunahme des Disialotransferrins und nach exzessivem Alkoholkonsum das Auftreten von Asialotransferrin bei gleichzeitiger leichter Abnahme der Tetra- und der Pentasialo-Transferrine. Die Konzentration des Gesamt-Transferrins bleibt unverändert.
Diagnostik:
Indikationen
Verdacht auf regelmäßigen Alkoholkonsum
Kontrolle der Abstinenz
Abklärungen im Rahmen der Rechts- und Verkehrsmedizin
Absolute Messung - relativer Anteil
Die quantitative Messung des CDT hat keinerlei Aussagewert, da das Messergebnis von der Konzentration des Gesamt-Transferrins abhängig ist. Deshalb ist der relative Anteil des CDT am Gesamt-Transferrin zu bestimmen; Eisenmangel, Schwangerschaft, hormonelle Kontrazeptiva, Östrogentherapien etc. beeinflussen den relativen Anteil nicht.
Einfluss der Varianten:
Bei der CB-Variante (Prävalenz ca. 2 %) migriert die B-Fraktion des Disialotransferrins in der Nähe des Tetrasialotransferrins, was zu falsch niedrigen CDT-Resultaten führt. Die Untervarianten B1 und B2 werden vom Kapillarelektrophorese-Gerät automatisch erkannt; eine Interpretation der Ergebnisse ist in diesen Fällen nicht möglich.
Die CD-Variante (Prävalenz ca. 0,5 %) führt dazu, dass ein Teil der Trisialtransferrine zusammen mit dem Disialotransferrin dargestellt wird, was vom Gerät ebenfalls erkannt wird. Es resultieren falsch zu hohe CDT-Werte.
CDG-Syndrom:
Congenital Disorders of Glycosylation umfasst eine Gruppe von Stoffwechselkrankheiten (früher: Carbohydrate-Deficient Glycoprotein-Syndrom, CDGS). Es handelt sich um eine seltene, genetisch bedingte Veränderung der Kohlenhydratsynthese der Glykoproteine, welche u. a. zu einer vollständigen Absenz einer oder beider Transferrin-Seitenketten führt.
Weitere Einflüsse:
Erhöhte Werte werden auch bei nicht-alkoholischer Lebererkrankung (z. B. primäre biliäre oder viral bedingte Zirrhose, primäres Leberzellkarzinom) beobachtet.
Halbwertszeit:
Zwei Wochen (A- und Disialotransferrin zusammen), neun bis elf Tage (Disialoform allein).
Vergleich:
γ-GT 21 Tage.
Für die Nachkontrolle bei vermuteter Abstinenz empfiehlt sich eine Wartefrist von drei bis vier Wochen.
