Hereditäre Pankreatitis

Klinische Bedeutung:

Die hereditäre Pankreatitis (HP) ist nach der Mukoviszidose in Mitteleuropa die zweithäufigste Ursache der chronischen Pankreatitis im Kindesalter - Erstmanifestation zwischen dem 1. und 13. Lebensjahr. Die auch als familiäre, chronisch kalzifizierende Pankreatitis bezeichnete Erkrankung wird autosomal dominant vererbt, wobei eine Penetranz von etwa 80 % besteht. Im Vordergrund stehen abdominelle Schmerzattacken unterschiedlicher Intensität, die sich in der Regel 3 - 4 mal jährlich wiederholen und ca. 5 - 10 Tage anhalten. Die rezidivierenden akuten Schübe enden in einer chronischen Pankreatitis mit den Zeichen der endokrinen und exokrinen Insuffizienz. teilweise wurden sehr ausgedehnte Pankreasverkalkungen schon in der Adoleszenz und im Kindesalter nachgewiesen. Insbesondere nach langen Verläufen der HP wird über ein erhöhtes Pankreaskarzinomrisiko bei 5 - 20 % der patienten berichtet. Das kumulative Risiko liegt bei einem Lebensalter von 70 Jahren bei etwa 40 %, bei väterlicher Vererbung steigt es auf 75 % an (Lowenfels, 1997).

 

Das histologische Bild der hereditären Pankreatitis ist dem der chronisch-alkoholischen Pankreatitis sehr ähnlich. Eine Unterscheidung zu Pankreatiden nicht hereditären genese ist somit weder klinisch noch mit diagnostischen verfahren, wie einem Computertomogramm, endoskopischer retrograder Cholangio-Pankreatikographie oder Ultraschall möglich. Durch genetische Analyse mehrerer großer Familien ist die Identifizierung von Mutationen im kationischen Trypsinogen gelungen, die für die Ausbildung einer hereditären Pankreatitis verantwortlich sind.

Trypsinogen spielt bei der Aktivierung der verdauungsenzyme im Pankreas eine wichtige Rolle.

Eine Mutation im Exon 3 des kationischen Trypsinogen-Gens bewirkt im Codon 117 einen Austausch der Aminosäure Arginin durch Histidin. Dadurch ist der Schutzmechanismus der proteolytischen Inaktivierung von Trypsinogen blockiert. Die Aktivierung der Verdauungsenzyme im Pankreas bleibt irreversibel bestehen. Eine ständige Aktivierung der Verdauungsenzyme im Pankreas führt zu einem Selbstverdau des Organs (Whitcomb 1996).

Eine zweite Mutation liegt in der Nähe der Aktivierungsstelle des Proenzyms (Keim, 1998). Hiebei ist ein Tyrosin gegen ein Isoleucin ausgetauscht. Der Pathomechanismus für diese Mutation ist z. Zt. noch nicht aufgeklärt. Beide Mutationen werden autosomal dominant vererbt, d.h. nicht nur homozygot, sondern auch heterozygot vorliegende Mutationen bewirken das klinische Bild einer Pankreatitis.

Indikation:

Obligat:

positive Familienanamnese

chronische Pankreatitis vor dem 30. Lebenskahr

Pankreaskarzinom vor dem 45. Lebensjahr

 

Fakultativ:

rezidivierende und ungeklärte Abdominalbeschwerden im Kindesalter, eventuell mit erhöhten Serumkonzentrationen von Amylase und Lipase

Material:

2,7 ml EDTA-Blut