Antikörper beim Diabetes mellitus
Diagnostischer Stellenwert
Klinische Bedeutung:
Der Typ I Diabetes mellitus ist das Resultat einer durch T-Zellen vermittelten Zerstörung der Beta-Zellen bei genetisch prädisponierten Individuen. Im Zuge der Autoimmunreaktion kommt es zur Bildung von Autoantikörpern gegen verschiedene Inselantigene.
Diagnostisch relevante Antikörper gegen Inselzellantigene:
-Inselzellbestandteile - ICA
-Insulin - IAA
-Glutaminsäure Decarboxylase - GAD
-Thyrosinphosphatase - IA2 (IA2A)
Einer oder mehrere dieser Autoantikörper sind bei fast allen Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose des Typ I Diabetes nachzuweisen. Sie sind aber auch meistens schon vor der Manifestation positiv und gelten als Marker der sogenannten "prädiabetischen Phase".
Durch Nachweis der o. g. Antikörper lässt sich im Einzelfall das Risiko für die zukünftige Manifestation des Typ I Diabetes vorhersagen. In den letzten Jahren konnte eine besondere Verlaufsform des Typ I Diabetes näher charakterisiert werden, der sogenannte latent insulinpflichtige autoimmune Diabetes mit Beginn im Erwachsenenalter (LADA). Im Serum dieser Patienten sind als Zeichen des Autoimmunprozesses ICA und/oder GADA nachweisbar. Diese dienen neben der Differentialdiagnose der Erkrankung zum Typ II Diabetes auch als Vorhersagekriterium für eine sekundäre Insulinpflichtigkeit der Patienten. Ebenfalls ist bei diesen Patienten das stimulierbare C-Peptid bereits deutlich vermindert bei einer noch erhaltenen Insulinrestsekretion.
Diagnosestellung des Diabetes Typ I:
Für die Diagnosestellung eines klassischen Typ I Diabetes ist eine Autoantikörperbestimmung in der Regel nicht erforderlich. Ein oder mehrere Antikörper beweisen die Diagnose eines Typ I Diabetes. Da nicht bei allen Erkrankten zum Zeitpunkt der Diagnose Autoantikörper nachweisbar sind, schließt ein negativer Befund einen Typ I Diabetes nicht aus.
Differentialdiagnose Typ I / Typ II Diabetes mellitus:
Der positive Nachweis eines Autoantikörpers (in der Regel GADA) spricht für eine immunologische Genese des Diabetes (latenter autoimmuner Diabetes des Erwachsenen, LADA). Autoantikörper positive Patienten haben ein erhöhtes Risiko für eine Insulinpflichtigkeit. Bei diesen Patienten ist eine frühzeitige Insulintherapie von Vorteil.
Risikoabschätzung für einen Typ I Diabetes mellitus:
Um ein mögliches Diabetesrisiko im individuellen Fall gut abschätzen zu können sollte eine Kombination von Antikörpern eingesetzt werden, ICA, GADA, IA2A und IAA kann die diagnostische Sensitivität und Spezifität deutlich erhöht werden. So steigt das individuelle Erkrankungsrisiko deutlich mit der Zahl der nachgewiesenen Autoantikörper. Bei einmaligem Screening von erstgradig Verwandten , mit vier Antikörpern kann man 75 % der künftigen Erkrankungen an Typ I Diabetes erfassen.
Material:
Serum
