Antibiotika-Resistenzen
Der europäische Antibiotika-Tag „European Antibiotic Awareness Day 2010“ fand letztes Jahr am Donnerstag, den 18. November statt. Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) hat den Fokus der diesjährigen Kampagne auf eine Verbesserung des Verbrauchs von Antibiotika in Krankenhäusern gelegt. Ziel ist es nach wie vor, der grenzüberschreitenden Zunahme von multiresistenten Erregern aufgrund häufig unkritischer oder fehlerhafter Anwendung von Antibiotika entgegenzuwirken. Der Weg zu einer umsichtigen, rationalen Antibiotikatherapie ist bekanntermaßen schwer. Einige harte Daten und Fakten, warum es dennoch dringend notwendig ist und wir es den uns anvertrauten Patienten schuldig sind, erläutern wir folgend.
Das MVZ Dr. Stein + Kollegen tritt für das Anliegen des europäischen Antibiotika-Tags 2010 ein und möchte Sie zu einem achtsamen rationalen Einsatz von Antibiotika, sowohl im Krankenhaus als auch im ambulanten Sektor ermutigen. Für Fragen stehen wir gerne zu Verfügung.
Fakt 1
Antibiotikaresistente Erreger sind ein zunehmendes Problem in europäischen Krankenhäusern. Das Auftreten und die stetige Zunahme antibiotikaresistenter Erreger ist eine Bedrohung für die Patientensicherheit in Krankenhäusern, weil:
• Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern zu einer gesteigerten Morbidität, Mortalität und zur Verlängerung des Krankenhausaufenthaltes führen
• Aufgrund von Antibiotikaresistenzen häufig eine adäquate Therapie verzögert wird
• Eine inadäquate oder verzögerte Therapie bei Patienten mit schweren Infektionen mit schlechterem Outcome assoziiert ist.
Fakt 2
Fehlerhafter Antibiotikaeinsatz ist ein Risikofaktor für die Entstehung von Antibiotikaresistenzen. Hospitalisierte Patienten erhalten zu einem großen Anteil antibiotische Therapien. Bis zu 50% dieser Therapien können fehlerhaft sein. Falscher Antibiotikaeinsatz ist ein Hauptfaktor für den Zuwachs resistenter Erreger und kann folgendes bedeuten:
• Unnötige Verschreibung von Antibiotika
• Verzögerter Einsatz von Antibiotika bei schweren Infektionen
• Unkritischer flächendeckender Gebrauch von Breitspektrum-Antibiotika oder falsche Anwendung von Schmalspektrum-Antibiotika
• Falsche Dosierung
• Falsche Therapiedauer (zu lang oder zu kurz)
• Fehlende Anpassung der Antibiotikatherapie an den mikrobiologischen Befund (fehlende Deeskalation).
Fakt 3
Umsichtiger Antibiotikaeinsatz bietet vielschichtige Vorteile. Ein umsichtiger Antibiotikaeinsatz verhindert das Auftreten und die Selektion
antibiotikaresistenter Erreger. Allein die Reduktion des Antibiotikaeinsatzes führt nachweislich zum Rückgang der Inzidenz von Infektionen mit Clostridium difficile und Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE).
Fakt 4
Es gibt verschiedene Strategien zur Förderung einer rationalen Antibiotikaanwendung. Zur Optimierung der Antibiotikaanwendung können kontinuierliche Fortbildung, evidenzbasierte rationale klinikinterne Antibiotikarichtlinien, eine restriktive Verschreibungspolitik und regelmäßige Konsultation eines/einer Infektiologen/in, Mikrobiologen/in und Apothekers/in beitragen. Effektive Maßnahmen zur Förderung einer
behutsamen Antibiotikaanwendung sind:
• Kontinuierliche Fortbildung
• Evidenzbasierte klinikinterne Antibiotikaverschreibungsrichtlinien und Verschreibungspolitik
• Monitoring krankenhausspezifischer Resistenzen zur Optimierung empirischer Therapien bei schweren Infektionen
• Festlegung korrekter Zeiten, Dosierungen und Dauer präoperativer antibiotischer Prophylaxen
• Verkürzung der Therapiedauer für bestimmte Infektionen
• Veranlassung von mikrobiologischen Untersuchungen zur Erregerisolierung vor empirischer antibiotischer Therapie, Beachtung von mikrobiologischen Ergebnissen und entsprechende Anpassung der antibiotischen Therapie („streamlining“)
